Justus-Möser-Gesellschaft
Sektion im Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück

Die Justus-Möser-Gesellschaft ist 1987 als Sektion des „Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück e.V.“ (‚Historischer Verein‘) mit dem Ziel gegründet worden, den Historiker, Juristen, Publizisten und auch den Politiker Justus Möser einer breiteren, nicht nur literarisch interessierten Öffentlichkeit im In- und Ausland zugänglich zu machen.

Die ursprüngliche Absicht, das Andenken an den bedeutenden Repräsentanten der Aufklärung in Deutschland und seinen Beitrag zur nationalen und regionalen Kulturgeschichte zu bewahren sowie das Weiterwirken und die Erforschung seines Werks zu fördern, steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Neben dieser unmittelbar an die Person Mösers gebundenen Aufgabenstellung will die Gesellschaft, die sich auch als literarische Gesellschaft versteht, Anregungen für die Entwicklung des literarischen und geistigen Lebens in Osnabrück geben.

Entsprechend den Zielen der Gesellschaft umfasst das jährliche Veranstaltungsprogramm einerseits wissenschaftliche Vorträge über Möser und seine Zeit sowie andererseits Autorenlesungen, Rezitationsabende und Exkursionen. Gemeinsam mit der Stadt Osnabrück veranstaltet die Gesellschaft im Dezember den Festvortrag zum Geburtstag von Justus Möser im historischen Friedenssaal des Rathauses. Auch Tagungen und Ausstellungen wurden mit Kooperationspartnern schon organisiert. Bildete die Veranstaltungsreihe „Möserjahr 1994“ den bisherigen Höhepunkt, so bietet 2020 – das Jubiläumsjahr von Mösers 300. Geburtstag – eine neue Herausforderung.

Um Werk und Persönlichkeit Mösers lebendig zu halten, erschien in drei Bänden 1989, 1994 und 2001 das Möser-Forum, das die im regionalen und überregionalen Bereich mit Möser verknüpfte Forschung anregen und intensivieren sollte. Daran anschließend veröffentlicht die Gesellschaft seit 2013 die Reihe Möser-Studien und seit 2015 in den Osnabrücker Mitteilungen jährlich die „Möseriana“.

Justus Möser (1720–1794)

Der Osnabrücker Politiker und Publizist Justus Möser gilt in der deutschen Geistesgeschichte als bedeutende Persönlichkeit der deutschen Aufklärung. Seine alle Bereiche des täglichen Lebens im ehemaligen Fürstbistum Osnabrück berührende amtliche Tätigkeit und sein facettenreiches literarisch-publizistisches Schaffen legten den Grund für diese Einschätzung. Insbesondere die Patriotischen Phantasien und die Osnabrückische Geschichte sicherten seinen Ruhm.

Vor allem seine publizistischen und historischen Arbeiten – aber auch die theoretischen Schriften zu Theater und Literatur des 18. Jahrhunderts – haben über den engeren Wirkungskreis hinaus die Zeitgenossen beeindruckt und den Kleinstaat Osnabrück in das öffentliche Bewusstsein Deutschlands gerückt.

Als das „vollkommenste Deutsche Nationalblatt“ rühmte Johann Gottfried Herder die von Möser begründeten und redigierten Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen. Die darin erschienenen Aufsätze Mösers wurden von Mösers Tochter Jenny von Voigts unter dem Titel "Patriotische Phantasien" herausgegeben und veranlassten Johann Wolfgang Goethe von dem herrlichen Justus Möser zu sprechen und in Dichtung und Wahrheit geradezu enthusiastisch zu loben: An diesen kleinen Aufsätzen, welche sämtlich in einem Sinne verfaßt ein wahrhaft Ganzes ausmachen, ist die innigste Kenntnis des bürgerlichen Wesens im höchsten Grade merkwürdig und rühmenswert. [...] Man müßte alles was in der bürgerlichen und sittlichen Welt vorgeht, rubrizieren, wenn man die Gegenstände erschöpfen wollte, die er behandelt. Ein vollkommener Geschäftsmann spricht zum Volke in Wochenblättern, keineswegs aber lehrhaft, sondern in den mannigfaltigsten Formen, die man poetisch nennen könnte, und die gewiß in dem besten Sinn für rhetorisch gelten müssen. Immer ist er über seinen Gegenstand erhaben, und weiß uns eine heitere Ansicht des Ernstesten zu geben alles so abgemessen, daß man zugleich den Geist, den Verstand, die Leichtigkeit, Gewandheit, den Geschmack und Charakter des Schriftstellers bewundern muß.

Die Osnabrückische Geschichte, deren Vorrede später unter dem Titel Deutsche Geschichte in Johann Gottfried Herders Programmschrift der deutschen Sturm-und-Drang-Bewegung Von Deutscher Art und Kunst erschien, sollte auch pragmatisch, auch Lehrerin der Politik sein. Mösers historisches Hauptwerk steht in der Tradition der Aufklärungshistoriographie, bildet aber gleichwohl einen Meilenstein auf dem Weg von der Geschichte der Fürsten, Haupt- und Staatsaktionen zu einer lebendigen Geschichte des Landes und des Volkes – zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Gotthold Ephraim Lessing berief sich auf Mösers Harlekin, oder Vertheidigung des Groteske-Komischen, in der die Existenz der komischen Figur auf der Bühne gegen die Angriffe des Leipziger Literaturpapstes Johann Christoph Gottsched vehement gerechtfertigt wird: Harlekin hat vor einigen Jahren seine Sache vor dem Richterstuhle der wahren Kritik mit ebenso vieler Laune als Gründlichkeit verteidiget. Ich empfehle die Abhandlung des Herrn Möser über das Groteske-Komische allen meinen Lesern, die sie noch nicht kennen; die sie kennen, deren Stimme habe ich schon.

"Ueber die deutsche Sprache und Litteratur" schließlich gilt als umfassendste Beantwortung und Widerlegung der Kritik, die Friedrich der Große in "De la littérature allemande" an der deutschen Sprache und Literatur geübt hatte. Goethe kommentierte die Schrift in einem Brief an Mösers Tochter Jenny von Voigts: Es ist gar löblich von dem alten Patriarchen, daß er sein Volk auch vor der Welt und ihren Großen bekennet; denn er hat uns doch eigentlich in dieses Land gelokt und uns weitere Gegenden mit dem Finger gezeigt, als zu durchstreichen erlaubt werden wollte.

Obwohl er in einem kleinen Land lebte und arbeitete, war Möser weit über dessen Grenzen hinaus bekannt. Sein Rat war gefragt in Berlin, Wien oder London. Er wurde über Jahrhunderte hinweg als einflussreicher Schriftsteller geschätzt, von dem schon zu Lebzeiten einzelne Texte in dänischer, englischer, französischer, russischer oder ungarischer Übersetzung in Europa gelesen wurden.

Justus Möser blieb das ganze 19. und auch im 20. Jahrhundert ein wichtiger kultureller Bezugspunkt, dessen Bekanntheit und Wertschätzung im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus sich gleichwohl zunehmend auf die Region Osnabrück verengte. Heute erinnern im öffentlichen Raum der Stadt Osnabrück das Möser-Denkmal von 1836, die Möserstraße mit dem Möser-Carrée und die Möser-Realschule an den Politiker und Publizisten, der aber auch mit einer Büste in der 1842 eingeweihten Walhalla und 1862 mit einer Statue im Münsteraner Ständehaus geehrt wurde.

Das publizistisch-literarische Werk des juristisch gebildeten Staatsmanns Möser erweist sich immer wieder als eminent wichtig für die Geschichte so verschiedener Disziplinen wie der Geschichts- und Literaturwissenschaft, der Rechtsgeschichte und Pädagogik, der Volkswirtschaft und Volkskunde. Seit Mösers Tod sind drei Gesamtausgaben erschienen: 1798, 1842/43 und schließlich unter der Flagge der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1943–1990. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden über 50 deutschsprachige Auswahlausgaben veröffentlicht – die bis heute letzte 2017. Darüber hinaus erschienen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts eine spanische und zu Beginn des 21. Jahrhunderts – 2004 und 2009 – zwei japanische Möser-Auswahlausgaben.

Die Möser-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Stadt Osnabrück, mit der u.a. Theodor Heuss und Erich Maria Remarque geehrt worden sind. Die Medaille wird an Personen verliehen, die sich um Osnabrück oder das Osnabrücker Land in hervorragender Weise verdient gemacht haben.

Vorstand der Justus-Möser-Gesellschaft:

Vorsitzender: Martin Siemsen M.A.
1. Stellv. Vorsitzender: Dr. Winfried Siebers
2. Stellv. Vorsitzende: Prof. Dr. Siegrid Westphal