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Osnabrücker Mitteilungen 126 (2021)

Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde

Autor(en): Ennen-Lange Linda, Hennies Lukas, Zumloh Tim, Siemsen Martin, Wolf Reiner, Siebers Winfried, Huhn Sebastian, Bondzio Sebastian, Spilker Rolf, Grove Thomas, Weiss Burghard, Lensing Helmut, Kosche Ernst, Espenhorst Martin
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenanzahl: 340
Verlag: Verlag für Regionalgeschichte
Ladenpreis: 24 EUR

Zu beziehen über den Verlag für Regionalgeschichte.

Die Osnabrücker Mitteilungen befassen sich mit regionalgeschichtlichen Themen aus dem Osnabrücker Land, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim (ehemaliger Regierungsbezirk Osnabrück). Bis 2016 wurden die Osnabrücker Mitteilungen im Selbstverlag herausgegeben, seit 2017 erscheinen die Bände im Verlag für Regionalgeschichte.

Inhalt des Bandes 126 (2021):

I. Aufsätze

Martin Espenhorst: Mythos Artland. Zur Dechiffrierung eines Raumbegriffs

Ernst Kosche: Friedrich Lehmann – Stadtbaurat und Senator

Burghard Weiss: Dr. med. Ewald Otte (1891–1942). Ein Osnabrücker Arzt zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus

Helmut Lensing: Dr. Gerhard Scheffler. Landrat der Grafschaft Bentheim von 1931 bis 1933

Rolf Spilker: Das Foto – Die Osnabrücker SA treibt den Journalisten Josef Burgdorf durch die Straßen der Stadt

Thomas Grove: Ein Allerweltsdokument aus dem Bombenkrieg. Die Osnabrücker Gesellschaft im Bombenkrieg und die soziale Praxis der NSDAP am Beispiel des Bombenangriffs vom 12. Oktober 1944

Sebastian Bondzio, Linda Ennen-Lange, Lukas Hennies, Sebastian Huhn, Max Pochadt, Christoph Rass und Janine Wasmuth: Die Osnabrücker Ausländermeldekartei 1930–1980. Potenziale als Quelle der Stadt- und Migrationsgeschichte

Tim Zumloh: Einheitlicher Kampf mit den ausländischen Kollegen? Der „wilde“ Streik bei Karmann 1973 und die linke Opposition

Reiner Wolf: Kleine Kirchengeschichte des KBW in Osnabrück

Möseriana

Winfried Siebers und Martin Siemsen: Justus Mösers Trauerspiel Arminius und die Aufklärung

Martin Siemsen: Justus Mösers Beiträge zu Friedrich Nicolais „Eyn feyner kleyner Almanach […]“

II. Besprechungen

Epochenübergreifend

Christine van den Heuvel / Henning Steinführer / Gerd Steinwascher (Hrsg.), Perspektiven der Landesgeschichte. Festschrift für Thomas Vogtherr (Karsten Igel)

Norbert Roling, Drensteinfurter Steuer- und Personenlisten, Teil 1: Schatzungsregister und andere Listen von Personen und Leistungen 1498–1803 (Thomas Brakmann)

Karl H. Neufeld (unter Mitarbeit von Martin Brune), Hardensetten. Im Schatten Harkottens: Verschwundene Heide – verschwundene Höfe (Thomas Brakmann)

Mittelalter

Oliver Auge / Katja Hillebrand (Hrsg.), Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation (Klaus Graf)

Urkundenbuch des Klosters Loccum, 2 Bde., bearb. v. Ursula-Barbara Dittrich (Anne Südbeck)

Andreas M. Mehdorn, Prosopographie der Missionare im karolingischen Sachsen (ca. 750–850) (Thomas Vogtherr)

Stefan Pätzold / Felicitas Schmieder (Hrsg.), Westfalen in der Zeit der Salier. Neue Forschungen zur Geschichte einer herrscherfernen Region im Römisch-Deutschen Reich (Jan Lemmer)

Neuere/Neueste Geschichte

Sabine Mecking (Hrsg.), Landeszeitgeschichte. Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 70 (2020) (Martin Schürrer)

Michael Hirschfeld (Hrsg.), 100 Jahre. Im Einsatz für die Heimat. 100 Jahre Heimatbund für das Oldenburger Münsterland 1919–2019 (Wolfgang Henninger)

Niklas Regenbrecht, Genealogische Vereinsarbeit zwischen Geschichtspolitik und populärer Forschung. Die Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung 1920–2020 (Anna Philine Schöpper)

Berend Vette / Klaus Vorrink (Hrsg.), „De Tied blif Baas“. Karl Sauvagerd. Ausgewählte Texte und ein Lebensbild (Stefan Tröster-Mutz)
Victor van der Reis (1889–1957). Bedeutender Mediziner – Sohn der Stadt Neuenhaus. Katalog zur Ausstellung im Alten Rathaus von Neuenhaus, 19.10.–10.11.2019 (Simone Herzig)

Thomas Grove, Nationalsozialismus in Melle vor 1933. Organisation, Personal, Praxis und Attraktivität der NSDAP in einer niedersächsischen Kleinstadt (Sebastian Weitkamp)

Sören Groß, Friedrike Wieking. Fürsorgerin, Polizeiführerin und KZ-Leiterin (Sebastian Weitkamp)

Thorsten Heese, Braune Relikte. Die Sammlung Nationalsozialismus im Museumsquartier Osnabrück (Eva Berger)

Alfred Wesselmann (Hrsg.), Nach der Stunde Null. Gründung und Neugründung der politischen Parteien in Lengerich nach dem Zweiten Weltkrieg (Simone Herzig)

Inge Becher, Die Aushandlung von Raum. Die Gründung der Stadt Georgsmarienhütte und ihre Vorgeschichte (Rose Scholl)

Reiner Wolf / Heiko Schulze (Hrsg.), Aufbruch & Krise. Osnabrück in den 70er Jahren (Nina Koch)

III. Jahresbericht

Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück e.V. Jahresbericht Oktober 2020 – September 2021 (Birgit Kehne)

Homepage, HV-Blog und Arbeitskreis Stadt- und Regionalgeschichte (Thorsten Unger)

Justus-Möser-Gesellschaft (Martin Siemsen)

Die Autorinnen und Autoren des 126. Bandes

Vorstand und Beirat des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück


Pressemitteilung des Vereins zum Erscheinen des Bandes 126 (2021)

Von Politsekten und wilden Streiks in Osnabrück - Die neue Ausgabe der Osnabrücker Mitteilungen ist erschienen


Pünktlich zum Jahresabschluss wird die aktuelle Ausgabe der geschichtswissenschaftlichen Zeitschrift des Historischen Vereins Osnabrück ausgeliefert. Die 126. Ausgabe der Osnabrücker Mitteilungen.

Die „Osnabrücker Mitteilungen“ schlagen in diesem Jahr wieder einen weiten thematischen Bogen und laden auf rund 340 Seiten nicht nur Fachhistoriker zur Lektüre ein.

Den Auftakt des 126. Bandes der Reihe liefert Martin Espenhorst mit einem Beitrag zur Entschlüsselung des „Mythos Artland“. Dieser zwischen Osnabrück und Oldenburg gelegene Raum wurde in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder neu erfunden, konstruiert und dekonstruiert.

Ernst Krosche widmet sich dem Osnabrücker Stadtbaurat und Senator Friedrich Lehmann, der zwischen 1895 und 1933 maßgeblich das Gesicht der Stadt formte. Mit diesem heute leider fast in Vergessenheit geratenen Stadtentwickler ist die Transformation Osnabrücks hin zu einer modernen Industriestadt verbunden. Auch die wieder verstärkt in der Diskussion stehenden sog. „Grünen Finger“ gehen ebenfalls auf Lehmann zurück.

Dem schließt sich ein Block von vier Artikeln an, der sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzt. Mit Ewald Otte steht in den Ausführungen von Burghard Weiss ein Mediziner im Fokus, der sich nicht in das bekannte Opfer-Täter-Schema des NS einordnen lässt. Otte war zwar selbst der Gefahr ausgesetzt, zwangsweise sterilisiert zu werden, doch stützte er auch das Regime, wie Weiss aus dem privaten Nachlass Ottes herausarbeiten kann. Mit Gerhard Scheffler tritt ein zwischenzeitlicher Landrat der Grafschaft Bentheim in den Blickpunkt. Helmut Lensing legt einen Ausschnitt der Lebenserinnerung Schefflers vor, die im Bundesarchiv verwahrt werden. Dadurch macht er eine wichtige Quelle eines NS-Funktionärs der Region zugänglich.

Eine Fotografie ist für Rolf Spilker der Ausgangspunkt, um die Misshandlung des Osnabrücker Journalisten Josef Burgdorf zu schildern. Am 1. April 1933 zerrte die SA den Reporter aus seiner Wohnung, trieb ihn durch die Stadt, misshandelte und demütigte ihn. Da Burgdorf über Informanten in der SA verfügte und Interna der Braunhemden spöttisch in der Zeitung kommentierte, rächten sich diese nach der Machtübernahme. Thomas Grove gelingt es im Folgenden mit einem „Allerweltsdokument“, einem Ausweis für Bombengeschädigte, die Auswirkungen des Luftkriegs in Osnabrück näherzubringen.

Ein Autorenkollektiv der Universität Osnabrück (Sebastian Bondzio, Linda Ennen-Lange, Lukas Hennies, Sebastian Huhn, Max Pochadt, Christoph Rass und Janine Wasmuth) eröffnet den Abschnitt der Nachkriegsartikel und zeigt die zahlreichen Auswertungsmöglichkeiten der digitalisierten Ausländermeldekartei der Stadt Osnabrück auf.

Informativ ist auch der Beitrag von Tim Zumloh über Streiks bei Karmann 1973 und die Rolle der Gastarbeiter und linker Oppositionsgruppen. Hieran schließt sich Reiner Wolf an, der eine „Kleine Kirchengeschichte“ des Kommunistischen Bundes Westdeutschland in Osnabrück verfasst hat. Die Begriffe „Gott“ und „Partei“ müssten nur ausgetauscht werden und schon wird ein quasireligiöses Agieren dieser Politsekten deutlich. Streitigkeiten über den „rechten Weg“ und Abspaltungen führten zu einer immer stärkeren Fragmentierung – Monty Python und die „Judäische Volksfront“ lassen grüßen.

Nach diesen neun Beiträgen schließen sich aus der Kategorie der „Möseriana“ noch zwei hochwertige Artikel von Winfried Siebers und Martin Siemsen an, die Justus Mösers Trauerspiel „Arminius“ analysieren und dessen Beitrag zu den deutschen Volksliedern hervorheben.

Besprechungen von landesgeschichtlichen Publikationen und die Berichte des Historischen Vereins bilden traditionell den Schlussteil der Osnabrücker Mitteilungen.